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„Wollen bei Hochwasser nicht absaufen“

Expertenrunde mit 30 Teilnehmern diskutierte in Übersee über Entwässerungsprobleme am Chiemsee

06.10.2021

Durch die zunehmende Verlandung des Chiemsees, speziell im Bereich des Achendeltas und des Areals bis zur Hirschauer Bucht, sowie des Rückstaus in Bächen und Wassergräben kommt es in Übersee und Grabenstätt immer häufiger zu Problemen mit der Entwässerung. Mittelfristig betroffen davon sind nicht nur Wohn- und Gewerbegebiete, sondern auch stark frequentierte Verkehrsachsen wie die Autobahn A8 und die Bahnstrecke München – Salzburg.

Um angesichts des wachsenden Problemdrucks in den Kommunen auf eine Lösung hinzuarbeiten, veranstaltete MdL Klaus Steiner in Übersee ein groß angelegtes Fachgespräch zwischen Kommunalpolitikern sowie Behörden- und Interessensvertretern. Es brachte rund 30 Experten der Fischerei, der Forst- und Wasserwirtschaft, des Bauwesens und des Naturschutzes mit den Vorständen der örtlichen Genossenschaften für Bodenbewirtschaftung und Entwässerung sowie des Abwasser- und Umweltverbands Chiemsee an einen Tisch. 

Klaus Steiner erinnerte daran, dass es bereits vor 15 Jahren in Übersee ein Gespräch zum Thema mit den Fachbehörden gegeben habe.  Aufgrund von Abstimmungs- und Zuständigkeitsproblemen war damals keine Lösung gefunden worden. Im Bereich Grabenstätt hatte sich zudem eine Initiative gebildet, um Wege zu suchen, die Verlandung der Hirschauer Bucht zu verlangsamen.

Angesicht eines jährlichen Eintrags von 300.000 Kubikmetern Schwebstoffen in den Chiemsee „werden wir die Verlandung generell nicht aufhalten können“, so Steiner, ohne umfangreiche technische Maßnahmen zur Schlammentnahme. Vordringlich seien deshalb punktuelle Lösungen für die Entwässerungsprobleme. 

Bürgermeister Herbert Strauch (FBL) sah ein Funktionieren des Entwässerungsgrabens in Übersee für elementar an. Über entsprechende Rückhaltebecken auf den Grundstücken könne man zumindest Einträge in den Überseer Bach vermindern. Zunehmende Probleme bei Hochwasser befürchtet Bürgermeister Gerhard Wirnshofer aus Grabenstätt (Bürgergruppe). Grund dafür ist der durch den Ort verlaufende Mühlbach. Er mündet in eine Verlandungszone, so dass „über kurz oder lang kein Abfluss mehr gegeben“ sei. Betroffen davon seien auch Wohngebiete.

Erster Vorstand Josef Kreuz von der Entwässerungsgenossenschaft Lindbodengraben in Übersee brachte den Rückstau und steigende Wasserstände durch Verschlammung im Graben zur Sprache, die immer häufiger zu beobachten seien. Da die Genossenschaft für die Entwässerung – auch im Autobahnbereich - zuständig ist, sei eine unbürokratische Lösung für die Ausleitung notwendig. Eventuell auch durch den Einsatz eines Baggers. Erster Vorstand Franz Wilk von der benachbarten Entwässerungsgenossenschaft Mittermoos-Nord verwies darauf, dass bereits bei einer Ortsbesichtigung vor zehn Jahren im Naturschutzgebiet über notwendige Lösungsansätze diskutiert worden sei. Ohne die Verlandung miteinzubeziehen komme man nicht weiter. 

Behördenleiter Walther Raith vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein sagte, das Entwässerungsproblem der Gemeinden könne aus seiner Sicht nicht von der Verlandung des Chiemsees getrennt werden. Hilfreich sei die gedankliche Trennung der Problematik in den Bereich Lindbogengraben und die Grabenstätter Seite mit der Hirschauer Bucht. Bei letzterer sei die Verlandung nicht mehr aufzuhalten. Aktuell gebe es dort naturschutzrechtliche Untersuchungen zur Rückverlegung des Deiches und zur Verbesserung der Situation. Im Bereich Übersee gehe es darum, den Abfluss zu verbessern.

Klaus Steiner wollte wissen, ob es Pläne gebe, nur einen kleinen Teil der Dämme zu öffnen. Raith entgegnete, es gebe erste Ansätze, aber die Grundstücksverhandlungen mit den Besitzern seien nicht leicht. Deshalb stehe der Aufwand für eine Deichrückverlegung für ihn nicht im Verhältnis zum Preis. Franz Wilk ergänzte, aus seiner Sicht sei eine Deichrückverlegung für einen wirksamen Hochwasserschutz eher ohne Bedeutung. 

Rege diskutiert wurde auch über das Thema Überflutungsflächen im Bereich Übersee. Heinz Stellwag von der Naturschutzbehörde der Regierung von Oberbayern verwies darauf, dass im Rahmen einer Ortseinsicht im Bereich Lindbodengraben eine „gewisse Durchgängigkeit“ feststellbar gewesen sei. Seit 2006 sei die Situation unverändert. Willi Siglreitmeier plädierte dafür, bei Bedarf die Abflüsse in dem sensiblen Gebiet mit Hilfe eines kleinen Baggers auszuräumen. Heinz Wallner brachte als Vertreter der Fischereigenossenschaft Chiemsee die Idee einer „Taskforce“ ins Spiel. Sie könne bei problematischen Wetterereignissen schnell reagieren und Kanäle „im Notfall auch händisch reinigen“.

Bürgermeister Gerhard Wirnshofer verwies darauf, dass Kanister oder Reifen in der Hirschauer Bucht nichts mit „natürlichen Einträgen“ zu tun hätten. Ebenso verstopfe Schwemmholz den Mühlbachabfluss. Ihm gehe es darum, für die Gemeinde die Gefahr zu bannen, „bei jedem Hochwasser eventuell abzusaufen“. Beate Rutkowski, 1. Vorsitzende der Bund Naturschutz-Kreisgruppe Traunstein, brachte die Überlegung ins Spiel, die Belastung des Mühlbachs bei Starkregen durch eine Zisternenpflicht in Neubaugebieten zu reduzieren. Behördenleiter Walter Raith entgegnete, das Hauptproblem für den Abfluss im Mühlbach sei das geringe Gefälle. Bürgermeister Herbert Strauch regte an, Zisternen allein seien aus seiner Sicht keine Lösung. Zu überlegen sei eine gemeindeübergreifende Entwässerungssatzung.

Intensiv diskutiert wurden sinnvolle Maßnahmen für kleinere Eingriffe und deren Realisierung im Spannungsfeld zwischen Naturschutz, rechtlichen Vorgaben und Finanzierung. Sie sollen auf Anregung von Klaus Steiner bei einem Folgetermin in kleinerem Kreis neu ausgelotet werden.

Klaus Steiner, MdL

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