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Aus dem Stimmkreis

25.11.2021

Erneuter Wolfsriss in der Region: „Koexistenz von Weidehaltung und großen Beutegreifern nicht möglich.“

München/Traunstein. „Der Wolfsriss in Bergen wird auch im Bayerischen Landtag ein Nachspiel haben“, das hat jetzt der Traunsteiner Stimmkreisabgeordnete, Klaus Steiner, Mitglied im Agrar- und Umweltausschuss des Landtages, angekündigt.

„Wir können nicht zusehen, wie eine falsch verstandene Wolfsromantik die Weidehaltung und die Almwirtschaft in unserer Region kaputt macht. Seit Jahren bemühen wir uns im Landtag den Schutzstatus des Wolfes auf europäischer Ebene zu verändern, scheitern aber ständig u.a. an den Mehrheiten im Bundesrat mit neun grünen Agrarministern, die ein einheitliches Vorgehen der Bundesrepublik Deutschland im Bundesrat verhindern“, so Steiner.

Der Riss in Bergen mit sechs toten Schafen ist jetzt Anlass, erneut einen Vorstoß zu unternehmen, betont Steiner, wenngleich er es langsam leid sei, dass Tatsachen und Fakten in der Diskussion um den Wolf einfach ignoriert würden.

Fakt sei, dass eine kleinteilige Weide- und Almwirtschaft neben Wolfsrudeln im Chiemgau, Berchtesgadener Land, Inntal oder dem Allgäu, einfach nicht möglich sei. „Eine Koexistenz zwischen Weidhaltung und Wolf gibt es nicht“, betont Steiner. Der ständige Verweis auf andere Regionen in Europa sei deswegen irreführend, weil z.B. in den Pyrenäen die Dörfer oft 30 Kilometer auseinander lägen und Wölfe einen anderen Lebensraum hätten. Nur über eine Änderung des Schutzstatus des Wolfes auf EU-Ebene, könne die Bildung von Wolfsrudeln verhindert werden. Wenn dies nicht bald gelänge, müssten wir uns an so grausame Bilder wie die von Bergen, mit sechs gerissenen Schafen, gewöhnen. Diese werden dann an der Tagesordnung sein. Und es sei nur eine Frage der Zeit, wann ein Rudel Pferde und Rinder reiße.

 

Vor allen Dingen müsse es aber jetzt gelingen, auch dem Selbstbetrug in der Gesellschaft entgegenzutreten. „Jeder wolle freilaufende, bzw. freiweidende Schafe, Rinder und Pferde, jeder schwärme von der einzigartigen Kulturlandschaft unserer Almen und schätze die dort produzierten, nachhaltigen Lebensmittel, aber viele wollen ihr schlechtes „Zivilisationsgewissen“ dadurch beruhigen, dass sie einer Population von Wölfen und Bären in unserer Region befürworten.

 

Es gäbe genug Stimmen aus der Landwirtschaft, besonders von kleineren Betrieben, die angesichts der Bilder vom letzten Schafriss überlegen, mit der Landwirtschaft aufzuhören, sollten keine dauerhaften Lösungen gefunden werden. Das gelte für Schafhalter, ebenso wie für Almbauern.

 

Bedenken müsse man auch, so Steiner, dass Schutzmaßnahmen wie hohe Zäune, die zusätzlich in der Erde versenkt werden müssen, gerade für kleine Betriebe, einfach nicht praktikabel seien. Das ist für die Bauern meist schlichtweg nicht leistbar. Geradezu arrogant sei der Verweis auf Entschädigungen. Die Bauern wollen kein Geld z.B. für ein edles Zuchttier, dass sie mit viel Engagement großgezogen hätten.  Darüber hinaus würde eine großflächige Einzäunung der Almen, die Lebensräume anderer Wildtiere zerschneiden. Schutzhunde seien ebenfalls kein geeignetes Mittel, da an schönen Tagen in den Bergen tausende von Wanderern auf den Almen unterwegs seien und es daher ständig zu Konflikten mit den Hunden kommen werde.

Zudem werde in der Diskussion um den Herdenschutz oft vergessen oder ignoriert, dass die meisten Almen ohnehin nicht einzäunbar sind.

Ausdrücklich begrüßt der Stimmkreisabgeordnete, der in den letzten Jahren mehrere Anläufe genommen hat den Schutzstatus zu ändern, den Antrag des Vorsitzenden der Forstberechtigten im Chiemgau, Landrat Siegfried Walch, auf eine Einzelentnahme des „Bergener Wolfes“, soweit dieser sich noch in der Region aufhalte. „Dieser Schritt ist folgerichtig und konsequent. Wir können die Landwirte und Viehhalter nicht einer romantischen Sichtweise aussetzen und sie hilflos im Regen stehen lassen“, sagte Steiner.

 

Die dicht besiedelten Regionen des Chiemgaus, des Inntals oder des Berchtesgadener Landes, seien zudem durch große internationale Verkehrsachsen durchzogen. Aus diesem Grund würden große Beutegreifer wie Wolf oder Bär, hier einfach keinen artgerechten Lebensraum mehr vorfinden. Das könne man beklagen, aber es sei nun einmal die Realität.

 

Nur über die Änderung des Schutzstatus auf europäischer Ebene, könne die Ansiedlung von Wolfsrudeln von vorneherein verhindert werden. Alles andere sei Kosmetik und ein Pfeifen im Walde. Spätestens bei Rissen von Pferden werde die Stimmung in der Gesellschaft kippen. Dann werde schnell wieder die Frage gestellt, wer etwas versäumt hätte.