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Einkauf als Entwicklungshilfe

Almosenpolitik, Bevormundung durch die Europäer, Unterstützung korrupter Regierungen - harte Worte von einem, der Afrika kennt. Klaus Steiner fordert eine neue Entwicklungspolitik.

20.09.2018

 

"Das ist kein Wahlkampftermin, dafür ist das Thema zu wichtig". Trotz dieser Worte ist Klaus Steiner, entwicklungspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, natürlich in der Region unterwegs, um seinem Landtagskollegen und Stimmkreisabgeordneten Harald Schwartz und dem Bezirkstags-Kandidaten Henner Wasmuth ein wenig Wahlhilfe zu leisten.
Vieles läuft falsch

Zwei Orte wurden für den kurzen Besuch gewählt: der Weltladen und die Alte Hofapotheke am Luitpoldplatz, wo, wie Hausherr und Gastgeber Markus Lommer sagte, "Heimat und Welt in einem Haus verbunden sind".
Johanna Sand, langjährige Leiterin des Weltladens, hatte eine lange Liste parat von Dingen, die falsch laufen in der gegenwärtigen Entwicklungspolitik: Kinderarbeit in Bergwerken für europäische Handy-Akkus, eine Landwirtschaft, die Tee und Kaffee exportiert, aber nicht genug Hirse anbaut, um die Menschen zu ernähren, sinnlose Projekte wie Brunnen, die gebaut werden ohne Anleitung für ihre Nutzung und Überwachung.
 
Vielen Punkten ihrer leidenschaftlichen Anklage stimmte der Abgeordnete zu. Das Projekt der Weltläden nannte er eine gute Sache, es sei aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Es muss mehr produziert werden in Afrika, es braucht Projekte, die weiterhelfen, alles andere ist Almosenpolitik", erklärte Steiner, der seit vielen Jahren in afrikanischen Ländern unterwegs ist.
Die Entwicklungshilfe, die seit 1990 nach Afrika geflossen ist, bezifferte der Unionspolitiker mit 240 Milliarden Euro, "aufgebraucht durch kriegerische Auseinandersetzungen und von korrupten Regierungen". Als oberstes Gebot künftiger Entwicklungspolitik sieht er Bildung und Ausbildung. Er plädiert für das duale System in Schulen und Werkstätten, für Schul-Kreisläufe, die nach der Ausbildung auch Arbeit bieten. "Afrika muss endlich produzieren", forderte Steiner, "so dass es eines Tages heißt Made in Uganda oder Made in Senegal."
 
Als weiterer wichtiger Punkt kam bei den Gesprächen im Weltladen und im Museum der Aufbau einer rechtsstaatlichen Polizei in den Ländern des Schwarzen Kontinents zur Sprache. Ebenso, erklärte Klaus Steiner, gelte es, Struktur in die vielen parallel laufenden Projekte im Inland und der EU zu bringen.
Ein Kritikpunkt seitens der Afrikaner, die es ablehnten, ihre Traditionen und Lebensart aufzugeben, sei die „Bevormundung“ durch die Europäer. Dass Kinder Vieh hüten oder Wasser holen müssen und deshalb nicht zur Schule gehen können, dass Feldbestellung sich nach dem Vogelzug richtet oder Mädchen genital verstümmelt werden – hier Dinge zu verändern, so prophezeite der Redner, brauche es noch einen langen Weg.
Auf die Frage von MdL Schwartz, wie finanzielle Hilfe für Afrika künftig aussehen solle, empfahl sein Landtagskollege aus dem Stimmkreis Traunstein den bayerischen Weg: Der Freistaat, „der mehr Geld für Entwicklungshilfe ausgibt als alle anderen Bundesländer zusammen“, unterstütze gezielt den Nord-Irak, den Libanon, Tunesien und Senegal. „Wenn sich jedes der 16 Bundesländer ebenso für ein paar Länder einsetzen würde, hätten wir alle Staaten abgedeckt“, war sein Vorschlag.
 
Faire Geschäfte machen
 
Wirtschaft und Politik müssten nicht nur aus menschlicher und der Kolonialzeit geschuldeter historischer Verantwortung Afrika und Lateinamerika helfen, sondern auch aus geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen. "Zum einen darf Chinesen und Saudis nicht das Feld überlassen werden, zum anderen muss Europa mit Afrika auf fairer Ebene Geschäfte machen."
Über kleine Schritte auf dem richtigen Weg berichteten Teilnehmer der Gesprächsrunde. Albertine Lange vom privaten Verein Socialis for the Gambia beschrieb dessen Kindergärten, Schulen und Werkstätten, die sich vor Ort bemühen, Dinge in Gambia zum besseren zu verändern. Sie beklagte aber, dass es dafür staatlicherseits keinerlei finanzielle Hilfe gebe, sondern alle Projekte von Mitgliedern und Spendern ihres Vereins geschultert würden.
Jeder kann helfen
 
Pädagogin Brunhilde Lommer schilderte erfolgreiche Entwicklungsarbeit in kirchlicher Trägerschaft, und Harald Schwartz zeigte Beispiele auf, in denen Verbraucher durch ihr Kaufverhalten positive Veränderungen durchsetzen konnten.
 
"Darüber nachdenken, wo und was eingekauft wird", nannte Klaus Steiner einen Beitrag zur Entwicklungshilfe für Jedermann. Für sein Engagement dankte ihm sein Landtagskollege Schwartz mit regionalen Produkten: in Amberg geröstetem Kaffee und Schokolade aus Ammerthal.

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