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Taugt der Religionsunterricht noch zur Wertevermittlung?

Landtagskandidaten und Experten diskutierten in Traunstein kontrovers über Bildungsthemen

01.07.2018

Wie stehen die Kandidaten der fünf umfragestärksten Parteien vor der Landtagswahl am 14. Oktober zum Thema Bildung? 

Mit einem ganz neuen Veranstaltungsformat („Das Kreuz vor der Wahl“) fühlte das katholische Kreisbildungswerk Traunstein im Campus St. Michael den Politikern zu diesem Thema auf den Zahn. Kooperationspartner waren dabei das katholische Medienhaus St. Michaelsbund (SMB) und die Stiftung Bildungszentrum. Bequeme Polstermöbel auf der Bühne, ein Filmbeitrag zur Einführung, der eine Reihe von Knackpunkten im Bildungsbereich herausarbeitete, und vier Experten als „Sparringspartner“ der Politiker: sowohl optisch wie inhaltlich erinnerte der aufgelockerte Abend an ähnliche Diskussionsrunden im Fernsehen.  Mit sachkundiger Moderation diskutierte Ursula Lay, Vorsitzende des kath. Kreisbildungswerks Traunstein, mit den Bildungsexperten und Direktkandidaten.
Dr. Sandra Krump, Ressortleiterin Bildung aus dem Erzbischöflichen Ordinariat, lenkte dabei sowohl als Kommentatorin im Film wie auch live auf der Bühne die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf übergeordnete Fragen in der Bildungsdiskussion: „Geht es nicht neben den Fragen um Bildungsressourcen auch um Wertevermittlung als Grundlage der eigenen Identität und die Überlegung, den passenden Weg für unsere individuellen Begabungen zu finden?“
Sehr unterschiedliche Akzente setzten die Landtagskandidaten in ihren Statements. Klaus Steiner (CSU), Mitglied im Bildungsausschuss der Bayerischen Landtags, sprach sich angesichts des Akademisierungswahns für eine „deutliche höhere Wertschätzung des dualen Ausbildungssystems in Handel, Handwerk und Gewerbe“ aus. Das mehrgliedrige Schulsystem wie in Bayern sei durchlässig und biete gute Aufstiegsmöglichkeiten nach dem Motto „keinen Anschluss ohne Abschluss“. Es diene der Persönlichkeitsbildung wie auch der Vorbereitung auf das Berufsleben. Allerdings müsse man sich davor hüten, „den Schulen immer mehr zusatzaufgaben aufzubürden“. Der Traunsteiner Simmkreisabgeordnete plädierte auch für Kindertagesstättengebühren in Abhängigkeit von der Einkommenssituation.
Susanne Aigner, Stadträtin in Laufen und Bereichsleiterin bei einem Träger der freien Wohlfahrtspflege, vertrat als SPDLandtagskandidatin ihren verhinderten Traunsteiner Kollegen Sepp Parzinger. Sie plädierte für mehr Bildungsgerechtigkeit und weniger Leistungsdruck durch gebührenfreie  Kindertagesstätten, länger vereinte Klassenverbände nach dem Gesamtschulmodell und multiprofessionelle Förder und Unterstützungsteams an den Schulen. 
Gisela Sengl, BioLandwirtin und Landtagsabgeordnete der Grünen aus Sondermoning, hielt das dreigliedrige Schulsystem für „nicht mehr zeitgemäß“, sprach sich für die Förderung guter und schwacher Schüler aus sowie für mehr Autonomie für Schulen, die dadurch ihr individuelles Profil besser schärfen könnten. Ebenso ein Anliegen ist ihr die Demokratiebildung an Schulen. 
Biolandwirt und Unternehmensberater Markus Plenk aus Ruhpolding (AfD) will durch weniger Bürokratie in Kindergärten mehr Zeit für die Kleinen schaffen,  setzt sich für den Erhalt der Förderschulen ein und will „politische und ideologische Indoktrination“ von den Schulen fernhalten.
Christine Degenhart, Architektin und Landtagskandidatin  der Freien Wähler aus Rosenheim, die ebenfalls ihren verhinderten Kollegen aus Traunstein vertrat, setzte sich für kostenlose Kindertagesstätten, kostenfreies Studium und Bildungsgutscheine für Meister, unbefristete Lehrerverträge und eine gesellschaftliche und finanzielle Aufwertung des Erzieherberufs ein.
Gut ausgebildete Erzieher mit entsprechenden Weiterbildungschancen sowie solide Träger sah Expertin Kati Berger als Voraussetzung dafür, dass der Bildungsauftrag für die Kleinsten umgesetzt werden könne. Sie leitet das katholische „Haus für Kinder“ in Grabenstätt, in dem über 100 Kinder von ein bis sechs Jahren – acht davon mit erhöhtem Förderbedarf – betreut werden. „Man muss die Azubis heute mehr an die Hand nehmen als früher“, erklärte Thomas Eberl, Unternehmer und Gewerbeverbandsvorsitzender aus Traunstein auf die Frage nach der Zukunft der dualen Ausbildung. Für wichtige Tugenden hält er Begeisterung, Engagement und Durchhaltewillen. 
Zählt heute nurmehr das Abitur? Felix Siegl, Abiturient und Mitglied im Traunsteiner Jugendbeirat, erklärte dazu, dass jede Schulart auf andere Berufe vorbereite, aber jede aus seiner Sicht gleichwichtig sei. 
Eine sehr kontroverse Diskussion entspann sich zu der Frage, ob der Religionsunterricht noch zeitgemäß sei, um Wertvorstellungen sowie Impulse zur Persönlichkeitsentwicklung und kulturellen Identität zu vermitteln. „Ethikunterricht ist besser“ meinte Felix Siegl, während Thomas Eberl die Vorbildwirkung des Lehrers hervorhob. Dr. Sandra Krump verwies auf die „Freiheit, sich über seine Religion informieren zu können“. Weitere Themen beleuchteten die islamische Unterweisung an Schulen, die Vorteile von Gesamtschule und mehrgliedrigem Schulsystem, Erfahrungen mit integrativem Unterricht und die Möglichkeiten, die Berufe von Kinderpflegern und Erziehern aufzuwerten. 
Eine der überraschendsten Aussagen brachte Markus Plenk von der AfD am Ende der Veranstaltung. Mit Blick auf das Parteiensystem der 1980erJahre verortete er seine Partei „links von der CSU“.
 
 
 

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