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Der Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat steht derzeit im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion.

23.03.2018

Grund genug für den Arbeitskreis Umwelt (AKU) im CSU Kreisverband sich in einer öffentlichen Fachgespräch, intensiv mit der Thematik zu befassen.

 
Referent Klaus Gehring, Leitender Direktor der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz und Herbologie, in Weihenstephan, stellte gleich zu Beginn seines Referats im Gasthof Hinterwirt in Übersee,  klar, dass er keinen Grund habe, etwas zu beschönigen oder zu verharmlosen, sondern sich an fachlichen und wissenschaftlichen Fakten zu orientieren hat. Es gehe um eine wissenschaftlich hochkomplexe Thematik, die z.T. sehr emotionell diskutiert werde.
 
AKU-Kreisvorsitzender, Josef Mayer, machte deutlich, dass Artenschutz und eine intakte Natur im Mittelpunkt stehen müsse. Ein vernünftiges Miteinander mit der Erzeugung von guten und gesunden Nahrungsmitteln, habe oberste Priorität. Dies erfordere von beiden Seiten – sowohl von den Landwirten, aber auch von den Gegnern des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, eine sachliche und ehrliche Diskussion.
 
 
 
 Glyphosat sei ein Herbizid, das den speziellen Stoffwechsel von Pflanzen hemme. Herbizide seien eine Unterklasse der Pestizide, also Pflanzenschutzmittel, die Nutzpflanzen vor Schädlingen bewahren. Dies können  andere Pflanzen, Pilze, Insekten, etc. sein, je nach Wirkweise des Pestizids.
 
Deutschlandweit werde, so Klaus Gehring, das Herbizid in Bayern am wenigsten angewandt und im Grünlandbereich, wie etwa im Chiemgau, komme das Mittel nur sehr begrenzt zum Einsatz. „Glyphosat ist kein Insektengift, sondern wirke auf die Photosynthese von Pflanzen. Trotzdem wird Bayern den Einsatz  deutlich reduzieren“. Glyphosat sei einer von 30 Wirkstoffen, die derzeit in Deutschland im Bereich des Pflanzenschutzes zum Einsatz kämen und sei weltweit am gründlichsten untersucht. . Das Insektensterben gehe nach neueren Forschungserkenntnissen vor allem auf Neonikotinoide zurück. Diese gehören zu den Insektiziden. Ein Verbot oder Verzicht von Glyphosat dürfe nicht dazu führen, dass weitaus schädlicherer Pestizide zum Einsatz kommen würden.
Der Referent machte deutlich, dass es einen Anbau von Nutzpflanzen, also Getreide, Kartoffeln, Wein oder Obst etc. ohne Pflanzenschutz nicht gebe, egal, ob dieser mit Pflanzenschutzmittel oder mechanisch erfolge. In beiden Fällen würden Wildkräuter am blühen gehindert und stünden für Insekten nicht zur Verfügung.
Grundsätzlich könne Glyphosat durch eine deutlich verstärkte, mechanische Bodenbewirtschaftung vielfach ersetzt werden, aber dann müsste ebenfalls offen über die ökologischen Folgen diskutiert werden, wie etwa  Bodenerosion und oder der deutlich höhere Dieselverbrauch.  Das habe nichts mit einervAufrechnung zu tun, sondern gehöre zu einer vollständigen Behandlung des Themas Insektensterben. „Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Bayern den Einsatz von Glyphosat  weiter deutlich reduzieren wird, und wir forschen in meinem Institut mit Hochdruck an Alternativen“, sagte Klaus Gehring.
Ein wirksamer, ökologisch unbedenklicher Pflanzenschutz sei auch eine Herausforderung für den Biolandbau, da dieser nicht ohne den Einsatz von Kupfer, einem Schwermetall, etwa im Bereich des Wein- oder Obstanbaus auskomme. Insbesondere müsse man Alternativen zum Anbau von Raps, Wintergerste, Körner-Mais, Rüben, Kartoffeln und Leguminosen finden. So sei z.B. der Rapsanbau auch im Biobereich ohne Pflanzenschutz  nicht möglich.
Auch MdL Klaus Steiner, plädierte für eine Versachlichung der Diskussion. „Bayern fördere massiv den ökologischen Landbau und das gleichberechtigte  Miteinander  von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. Mit dem Kulturlandschaftsprogram, das mit über 270 Mio. Euro ausgestattet sei, fördere Bayern wie kein anderes Bundesland, Blühflächen und den freiwilligen Verzicht auf Pflanzenschutzmittel.
Zum kritisierten Abstimmungsverhalten von Landwirtschaftsminister Schmidt in Brüssel, sagte MdL Klaus Steiner:“ Auf EU-Ebene wurde im Herbst eine 10 jährige Verlängerung des Glyphosateinsatzes diskutiert. Am 24.10. hat das Europäische Parlament in einer Entschließung für eine 5 jährige Verlängerung mehrheitlich, auch mit Stimmen von SPD und Grünen Abgeordneten gestimmt. Am 27.11.2017 stimmte dann der Berufungsausschuss mit den Stimmen Deutschlands der Entscheidung des Parlaments zu. In dieser Sitzung konnte Deutschland erreichen, dass zukünftig der Biodiversität im Zulassungsverfahren ein höheres Gewicht eingeräumt wird. Damit kam es auch den Forderungen des Umweltministeriums aus dem Jahr 2016 nach. Durch die Zustimmung Deutschlands konnten damit auch Auflagen für Umwelt und weitere Anwendungsbeschränkungen durchsetzt werden“. Minister Schmidt habe genau das Gegenteil erreicht, was ihm vorgeworfen wird“. Das alles sei im Internet bequem nachzulesen, trotzdem werde besseren Wissens das Gegenteil behauptet
 
Landwirt Hans Maier, mahnte an, dass es schon möglich sei, als Ersatz für Glyphosat die mechanische Bodenbearbeitung vorzuziehen, aber dies sei in Bezug auf Erosion und Abschwemmung des Bodens verstärkt nur auf ebenen Flächen ökologisch sinnvoll.  Ökologisch betrachtet, müsse man eine verstärkte mechanische Bearbeitung des Bodens sorgfältig abwägen. Auch bei der mechanischen Bodenbearbeitung gehe es in erster Linie darum, Unkraut und damit auch wilde Blühpflanzen zu beseitigen. Das gelte auch für den ökologischen Landbau.
„Bayern ist mit seinem Beschluss den Glyphosateinsatz nochmals deutlich zu reduzieren auf einem guten Weg, aber es müssen auch  Alternativen aufgezeigt werden“, stellte Bürgermeister Mark Nitschke fest. Vor allem müsste auch über den Einsatz von Glyphosat in Privatgärten gesprochen werden.

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