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Wie nachhaltige Entwicklungshilfe in Afrika aussehen kann

Großprojekte des Aktionskreises Ostafrika stärken regionale Strukturen in Tansania – MdL Klaus Steiner auf Besuchstour

25.10.2017

Wie lassen sich angesichts weltweiter Flüchtlingsströme die Ursachen der Flucht in den Herkunftsländern lösen? Seit er vor gut einem Jahr das Amt des entwicklungspolitischen Sprechers der CSU-Landtagsfraktion übernommen hat, treibt Klaus Steiner diese Frage um.

Im Libanon überzeugte sich der Landtagsabgeordnete aus Übersee vor gut einem halben Jahr im Rahmen einer Parlamentarier-Reise, wie eine mit verschiedenen Projektpartnern aus Bayern realisierte Handwerkerschule zur Zukunftshoffnung für Flüchtlinge aus Syrien werden kann. In Tansania besuchte der Landtagsabgeordnete jetzt zusammen mit dem Aktionskreis Ostafrika e.V. (AKO) aus Traunstein mehrere nachhaltige Projekte, die neue Wege in der Entwicklungshilfe aufzeigen.

Durch den Flüchtlingsgipfel in Paris Ende August, demzufolge Europa die Zusammenarbeit mit Afrika stärken will, bekommt das Thema zusätzliche Aktualität. „Eine geregelte Wasserversorgung, medizinische Hilfe und Bildung gehören zu den wesentlichen Grundpfeilern, um Zonen der Stabilität zu schaffen“, resümiert Steiner nach dem Aufenthalt in der Region am Fuße des Kilimandscharo. Umrundet von Krisenherden, sticht Tansania als eines der wenigen Länder in Afrika heraus, in dem seit vier Jahrzehnten Frieden herrscht.
Es ist selbst Ziel von Flüchtlingen und beherbergt in Lagern etwa 250.000 Menschen aus Burundi. 140 Sprachen gibt es hier. Der erste Teil der Reise führt Steiner zusammen mit den AKO-Vorständen Hans Siemer und Ruben Wend nach Moshi zu den Mitarbeitern des Tanzania Projects Promotion Trust.

Seit zehn Jahren entwickelt die Organisation zusammen mit dem Bundesentwicklungshilfeministerium Wasserprojekte. Mit einer Million Euro Fördergeldern und tatkräftiger Unterstützung hat der AKO bei der Realisierung verschiedener Vorhaben mitgeholfen. „Die schlechten Lebensbedingungen auf dem Land sind eine der wesentlichen Ursachen, warum die Menschen in Afrika in die Mega-Citys ziehen“, erläutert Trust-Manager Sindbard Mlaki den Besuchern. Da in den Slums der Riesenstädte die Perspektive noch viel schlechter ist, beginnt von dort die weitere Flucht. Wasserzähler sind eine Rarität Steiner staunt, wie sich hier mitten in Afrika eine Art Wasser-Zweckverband etabliert hat, deren angeschlossenen Gemeinden in der zentralen Water User Association organisiert sind. Sie bestimmt die Wassergebühren, kümmert sich um Inkasso und Wartung der Leitungen. Diese führen von hygienesicheren Quellfassungen im Dschungel an den Hängen des Kilimandscharo über Zwischentanks viele Kilometer hinweg zu den angeschlossenen Dörfern. 25.000 Menschen profitieren davon. „Wasserzähler in den Häuser, das hätte ich hier nicht erwartet“, zeigt sich Steiner erstaunt. „Die Menschen hier haben gelernt, dass sauberes Wasser nicht kostenlos sein kann und die Kooperation auf Dauer besser ist als jeden Tag lange Wege zu unsicheren Wasserstellen in Kauf zu nehmen.“ Eine ähnliche genossenschaftliche Koordination würde die Situation aus seiner Sicht auch bei der Ernte, Lagerhaltung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte verbessern. Rinderherde als Statussymbol Dass nachhaltige Entwicklungshilfe nur unter Berücksichtigung landestypischer Bräuche Sinn macht, zeigt sich beim nächsten Besichtigungspunkt in Kambi ya Chokaa mitten in der Massai-Steppe.

Ein Handbrunnen versorgt hier Menschen im Umkreis eines 40 Kilometer langen Fußmarsches. „Eine große Zahl an Rindern und Kindern sind für die Massai Statussymbole. Männer hüten das Vieh, für das Wasserholen sind die Kinder und Frauen zuständig“, erläutert AKO-Vorstand Ruben Wend. „Der einzige Ausweg aus diesem Kreislauf ist Bildung“, ergänzt er. Um Kindern den Besuch des Kindergartens und der Schule in Moshi zu ermöglichen, wo sie lesen und schreiben lernen, müssen sie von der Pflicht des Wasserholens befreit werden. Für 65.000 Euro aus privat eingeworbenen Mitteln bohrte der AKO einen Brunnen, der die Wasserversorgung sicherstellt. Für die Stromversorgung ist der Trassenanschluss an ein Ölkraftwerk geplant. Am ersten Schultag begrüßen die Direktorin, Elternbeiräte sowie Vertreter des Schoolboards und der Gemeinden den Landtagsabgeordneten und seine Mitreisenden. Das Engagement, die Herzlichkeit und die Pionierstimmung der Tansanier beeindrucken Steiner, der bei seinem Besuch in der Steppe noch mit einem traditionellen Massai-Gewand und einem Huhn als Geschenk geehrt wird. „Der Wille dieser gastfreundlichen Menschen, sich hier vor Ort ihre Zukunft aufzubauen, ist ermutigend. Fluchtursachen wird damit die Grundlage entzogen.“

Der letzte Tag des straffen Besuchsprogramms in Tansania ist einem weiteren Großprojekt gewidmet: dem Kibosho Hospital. Vor 25 Jahren wurden hier 30.000 Menschen im Jahr betreut, heute sind es 80.000 Patienten. Sie reisen von weither an. Aktuell entsteht hier der Neubau einer zeitgemäßen Notaufnahme. 350.000 Euro will der AKO dafür in den nächsten fünf Jahren investieren. Noch ist man unsicher, ob der Verein mit rein ehrenamtlicher Struktur und älter gewordenen Mitstreitern die Unterstützung auch in Zukunft noch wird leisten können. Know-how-Transfer für Kliniken Ein kleines Ärzteteam mit dem Traunreuter Chirurgen Dr. Alfred Leitner begleitet die Reisenden. „Die Mediziner sind gut ausgebildet, aber in Sachen Hygiene-Management und bei minimal invasiven Operationsmethoden ist die Vermittlung von Know-how sinnvoll“, erklärt der Landtagsabgeordnete nach intensiven Gesprächen mit afrikanischen Ärzten und Klinikmitarbeitern. Hilfreich seien diesbezüglich viele private Ärzte-Initiativen aus Deutschland. Sie könnten gut ergänzt werden durch professionelle Klinikpartnerschaften mit Afrika wie die vom Krankenhaus rechts der Isar in München. „Als Stabilitätsanker in Afrika kommt Ländern wie Tansania in Zukunft eine zentrale Rolle zu. Die Projekte berechtigen zu den besten Hoffnungen. Nur dürfen wir in unserer Unterstützung nicht nachlassen“, sind sich Klaus Steiner und der AKO-Vorstand in ihrem Resümee zur Afrika-Reise einig.



 


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